Definition: Klassifikationssystem

Kategorie: Bodenbedeckung/Bodennutzung

Klassifikationssysteme sind Hilfsmittel, die ausgewählte Aspekte der realen Welt beschreiben. Die gewählten Kategorien stellen keinen eindimensionalen, sondern einen mehrdimensionalen Teil der realen Welt dar. Die Aufteilung der realen Welt durch ein Klassifikationssystem hebt bestimmte Aspekte der Wirklichkeit hervor: ein und dieselbe Realität kann durchaus mit Hilfe mehrerer Klassifikationen beschrieben werden (DUPRAT 1972).

Im Allgemeinen werden Klassifikationssysteme in Baumform, d. h. mit einer hierarchischer Struktur, präsentiert. In einem hierarchischen System werden Objekte in eine Reihe von Gruppen eingeteilt, die einer Abfolge von Kategorien mit verschiedenem Rang zugewiesen werden. Die Objektgruppen werden durch Auswahl gemeinsamer Merkmale definiert, die eine Ähnlichkeit zwischen den Objekten derselben Gruppe und Unterschiede zu den Objekten anderer Gruppen bestimmen. Jede dieser aufeinander folgenden Unterteilungen bedeutet, dass "objektive" Merkmale berücksichtigt wurden, und bedingt eine bewußte Entscheidung. Verschiedene Nutzer wollen das Interessensgebiet auf einer bestimmten Ebene vielleicht nach unterschiedlichen Kriterien einteilen. Dies führt zu gravierenden Schwierigkeiten beim Vergleich von Informationen, da eine Klasse, die in einem System als eindeutig betrachtet wird, in einem auf anderen Grundsätzen beruhenden Klassifikationssystem auf zwei oder mehr Kategorien aufgeteilt wird. Es ist zum Beispiel unmöglich, eine Klassifikation von Bäumen, bei der belaubte und benadelte Arten unterschieden werden, mit einer exakt in Einklang zu bringen, in der nur die Kategorien laubabwerfende und immergrüne Arten enthalten sind (WYATT 1997).

Ferner ist zu beachten, dass eine Kategorie einer Klassifikation in Bezug auf ein Merkmal (monothetische Klasse) oder zwei Merkmale oder … kein Merkmal (nach dem von Biologen vorgeschlagenen Konzept polythetischer Klassen) homogen sein kann. Wenn der Aggregationsprozess über ein gewisses Signifikanzniveau hinausgeht, dann stellen die Kategorien praktisch keine sinnvollen Einheiten mehr dar: dies träfe zum Beispiel bei einem Aggregat zu, bei dem landwirtschaftliche und städtische Flächen in einem Klassifikationssystem vermischt würden.

Ein Klassifikationssystem ist daher das Ergebnis einer Struktur und einer Ordnung, die von einem Wertesystem ausgeht und eine bestimmte Absicht erkennen lässt. Der Zweck, für den eine Klassifikation erarbeitet wird, beeinflusst gezwungenermaßen ihren Aufbau und Inhalt. Deshalb baut jeder Nutzer im Allgemeinen eine individuelle Klassifikation, die auf seine spezifischen Bedürfnisse abgestimmt ist, auf: eine spontane Erstellung von Klassifikationen führt somit unausweichlich zu Unvereinbarkeiten.

Ein Klassifikationssystem sollte das Ergebnis einer laufenden Wechselwirkung zwischen folgenden Ansätzen sein:

- einem systematischen Ansatz, durch den die Informationen nach logischen Grundsätzen strukturiert werden (Vollständigkeit, keine Überschneidungen, eindeutige Definition der Klassen, Regeln für die Darstellung von Objekten in der Klassifikation),
- einem pragmatischen Ansatz, der die Nutzerbedürfnisse und vorhandene Informationsbestände berücksichtigt,
- einem kontextbezogenen Ansatz, der spezifische Beschränkungen in Verbindung mit dem untersuchten Fachgebiet anspricht — bei der Bodenbedeckung und -nutzung ergeben sich aus der geographischen Dimension der Informationen einige Beschränkungen.

Einige Eigenschaften der Klassifikationssysteme:

- Räumliche Konsistenz;
- Zeitliche Konsistenz;
- Kompatibilität mit bestehenden Klassifikationssystemen;
- Unabhängigkeit von Systemen zur Datenerfassung und –verarbeitung;
- Vollständigkeit;
- Vermeidung von Überschneidungen;
- Einstufungsregeln;
- Benennungsregeln;
- Index;
- Prinzipien der Codierung;
- Regeln für die Aufnahme neuer Objekte;
- Aggregate;
- Heterogenität von semantischen Feldern.

Man muss wissen, welche Funktionen ein "Klassifikationssystem" benötigt, um die Anforderungen der Wissenschaftler und Nutzer zu erfüllen. Drei Hauptfunktionen werden vorgeschlagen (vorwiegend nach SUTCLIFFE 1993):

Klassifikation = Zuordnung aller Objekte in einer hierarchischen Reihe von verschachtelten Kategorien, die so angeordnet wurden, dass sie ihre Beziehungen zueinander aufzeigen.
Nomenklatur = Benennung und Beschreibung der Objektgruppen. Das Endergebnis ist eine Liste von Namen und Beschreibungen, die durch Eins-zu-eins-Beziehungen miteinander verbunden sind und in der Regel gemäß dem Aufbau der erarbeiteten Klassifikation dargestellt werden.
Einstufung = Zuordnung eines Individuums zu einer bereits klassifizierten und benannten Gruppe. Mit anderen Worten gesagt, wird dabei die erstellte Klassifikation verwendet, um über die Zugehörigkeit einzelner Objekte zu einer Klasse zu entscheiden.

Daher wird empfohlen, den Begriff "Klassifikationssystem" mit folgender Bedeutung zu verwenden:

- Abgrenzung eines Diskursuniversums (U), d. h. Bodenbedeckung und –nutzung (FACHGEBIET);
- die Erstellung einer Klassifikation aller Objekte im Diskursuniversum (U), was zur Strukturierung von Unterklassen von U über eine hierarchische Reihe von verschachtelten Kategorien führt, die so angeordnet werden, dass sie Beziehungen zueinander aufzeigen (KLASSIFIKATION);
-  ein System für die Benennung und Beschreibung von Gruppen in Verbindung mit dem Aufbau der so erstellten Klassifikation (NOMENKLATUR);
- Verfahren für die Zuordnung jeglicher Objekte zu einer einzigen der zuvor klassifizierten und benannten Gruppen (EINSTUFUNG).
Quelle:
Eurostat, "Handbuch zu den Konzepten der Informationssysteme für Bodenbedeckung und -nutzung (Ausgabe 2000)", Amt für amtliche Veröffentlichungen der europäischen Gemeinschaften, Luxembourg, 2001
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